| Mit den Rucksäcken unterwegs in Lissabon |
| Abschiedsfoto mit unserem tollen Couchsurfer Ricardo (er nahm per Kopfhörer gerade an einem Telefonat für die Arbeit teil, machte aber trotzdem schnell ein Foto mit uns) |
| Unsere Hütte bei der Familie in Rogil |
| Die Jurte mit Küche und Wohnzimmer der Familie, draußen der Esstisch |
| Eine Kröte zu Besuch im Garten |
| Andy baut eine Konstruktion für die Gurken und Tomaten. |
| Fanny bereitet die Bambusstöcke für weitere Konstruktionen vor. Im Hintergrund die Kompost-Toilette mit lila Vorhang und die Schlafzimmer-Jurte der Familie |
| Wandern an der Küste Vicentina (Nordalgarve) |
| Die Mündung der Seixe in den Atlantik bei Odeceixe |
Olá ihr Lieben,
zuallererst die
Auflösung des Quizes:
1 C Stuhl im Gang
2 B
Thrombosestrümpfe (Es lagen tatsächlich einige Senioren damit am
Pool, anstatt sich lieber zu bewegen und auf die Strümpfe verzichten
zu können.)
In Lissabon
übernachteten wir drei Nächte bei einem Couchsurfer, der alleine
wohnt und sich über Gesellschaft freute. Er zeigte uns ein bisschen
von Lissabon und an einem Abend gingen wir mit ihm und einer Freundin
von ihm aus. Nachdem wir unser Visum für Russland beantragt hatten,
fuhren wir mit dem Bus vier Stunden in den Süden Portugals nach
Rogil in die Nordalgarve. Dort verbrachten wir die vergangenen zwei
Wochen bei einer Familie, die in einer bzw. drei Jurten wohnt und
ihren Garten bewirtschaftet, sodass sie sich – zumindest im Sommer
– mit Gemüse selbstversorgen können.
Wir hatten die
Familie über die Seite workaway.info gefunden, was bedeutet, dass
wir im Austausch gegen Unterkunft und Verpflegung hier arbeiteten.
Die Familie kommt aus Frankreich, daher war Französisch ihre
Hauptsprache, der Vater hat allerdings portugiesische Eltern. Sie
arbeiten kaum auswärts, sondern ihre Arbeit ist der Haushalt und der
Garten, der ihnen dann Nahrungsmittel „gibt“. Die drei Kinder
gehen auch nicht in die Schule oder einen Kindergarten, sondern die
Eltern praktizieren das sogenannte „un-schooling“ nach John Holt.
Der Grundgedanke ist, dass Kinder im Kontakt mit anderen Menschen
immer etwas lernen und v.a. wenn sie etwas lernen wollen, es sehr
schnell lernen. Und dass es keine spezialisierten Pädagogen und
einen spezialisierten Ort für‘s Lernen braucht. Voraussetzung ist
natürlich, dass also die Eltern den Kindern die Möglichkeiten und
das Material geben, mit dem gelernt werden kann. Das Konzept ist
interessant und es war interessant für uns, die Kinder der Familie
zu beobachten. Sie waren in einigen Bereichen schon
überdurchschnittlich gut, z.B. im Klettern, lagen dafür in anderen
Bereichen hinter zur Schule gehenden Kindern. Was das Lernen angeht,
kann man darüber streiten, ob Schule oder un-schooling besser ist,
allerdings fanden wir, dass es alleine wegen sozialer Kontakte schön
ist, als Kind eine Schule zu besuchen.
Wir wohnten hier in
einer Holzhütte mit einer kleinen spartanisch eingerichteten Küche
und einem Waschbecken im Garten. Das große Geschäft wurde auf der
Kompost-Toilette der Familie verrichtet, das kleine irgendwo im
Garten. Tagsüber arbeiteten wir meist im Garten (Beete umgraben,
Pflanzen pflanzen, Unkraut jäten, Eselsscheiße holen etc.),
spielten mit den Kindern oder halfen im Haushalt zu kochen, backen
oder abzuwaschen. Mittags gab es Essen für alle zusammen, morgens
und abends aßen wir alleine in unserer Hütte. Wir genossen die
Natur, die Ruhe (, die wir in Lateinamerika vergeblich gesucht
hatten) und die Sonne (allerdings war es seeeehr windig wegen der
unmittelbaren Nähe zum Atlantik). Und Andy feierte hier einen
schönen Geburtstag mit Pizza, zwei Kuchen und abends einem heißen
Bad in der Badewanne (das Wasser wurde mit Tannenzapfen aus dem Wald
nebenan in einem Ofen angeheizt).
Die Familie war sehr
nett, aber es gab ein paar Dinge, die uns nicht so gefielen: Sie
waren etwas geizig mit dem Essen. Nicht mittags, aber für unser
Frühstück und Abendessen mussten wir sie leider öfters erinnern,
dass wir noch Lebensmittel brauchten, da nur weißer Reis etwas
eintönig ist als Frühstück. Außerdem waren sie – zumindest die
Mutter – etwas spirituell und irgendwann hörten wir nur noch halb
zu, wenn sie uns von irgendwelchen Zeremonien vorschwärmte. Zum
Glück waren sie nicht missionarisch. Auch die Hygiene der Familie
entsprach nicht ganz unserer. Die Familie benutzt so gut wie keine
Seife, kein Spülmittel und keine Putzmittel, sondern für alles nur
Wasser. Entsprechend wurde auch nur mit Wasser das Geschirr
abgewaschen und war danach meist noch fettig.
Der Höhepunkt war
allerdings ein weiteres Chemieexperiment auf unserer Reise: Im Garten
der Familie gab es viele Orangen – süße und bittere. Die Mutter
erzählte uns, dass Bitterorangensaft mit Natron eine reinigende
Wirkung habe und dass das Natron den Geschmack ändern würde. Auch
wenn mich die Reinigung nicht so sehr interessierte, ich wollte mal
probieren, wie das schmecken würde. Eines Mittags wurde uns dieses
„Getränk“ dann angeboten und wir probierten jede/r nur ein paar
Schlucke. Andy hatte von dem ganzen spirituellen Quatsch nichts
mitbekommen. Er hörte nur, dass dies Orangensaft mit Soda sei. Oh
Soda, also O-Saft mit Kohlensäure! Lecker! Hm, war es dann aber
nicht. Zunächst war nichts zu merken, aber am nächsten Tag ging es
uns schlecht, und zwar, weil das Natron im Bauch und Darm mit der
Säure reagierte. Der Körper schickte hinten alles raus, was nur
möglich war und auch Luft/Gas kam oben und unten zu Genüge heraus.
Andy ging es nach einem halben Tag wieder einigermaßen gut, bei mir
fing es später an und dauerte anderthalb Tage bis es mir wieder gut
ging. Da war ich dann allerdings ganz schön schwach, weil ich
solange auch nichts gegessen hatte. Die Familienmutter sagte zwar
irgendwann, dass es ihr leid tue, betonte aber eher, dass es ja super
sei, dass bei uns die Reinigung in Gang gekommen sei. Ja, echt, wir
fühlten uns auch suuuuper – NICHT.
An unserem eig.
einzigen freien Tag, an dem es uns auch gut ging, wanderten wir etwa
12 Kilometer die Küste entlang, von Rogil nach Odeceixe. Man lief
auf den Felsen hoch über dem Meer einen Sandweg durch eine
Landschaft von sehr niedrigen Gewächsen entlang. Der Wind fegte uns
um die Ohren und die Sonne wärmte uns von oben. In Praia Odeceixe
sahen wir den Strand und die Mündung der Seixe in den Atlantik.
Zurück fuhren wir per Anhalter, was auch prima klappte. Es war ein
schöner Tag.
Nun sind wir zurück
in Lissabon, wieder mit Internetzugang und haben vorhin unser Visum
für Russland abgeholt – juhu, wir haben es tatsächlich erhalten,
d.h. es geht nun langsam Richtung Russland, sodass wir ab dem 1. Juli
dort einreisen können.
Übermorgen geht es
aber erst mal mit dem Nachtbus nach Fuengirola in Südspanien, wo
Andy vor drei Jahren für drei Monate als Aupair bei einer Familie
gearbeitet hat.
Bis bald, macht‘s
gut
Andy und Fanny
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