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| In Trivandrum, Keralas Hauptstadt, sind erstaunlich viele Frauen unterwegs, hier warten sie auf den Bus. |
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| Sonnenuntergang am Strand in Kerala |
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| Merry Christmas! |
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| Südindische Spezialität: Dosa (herzhafter Pfannkuchen aus fermentiertem Reis und Mungbohnen) mit Sambar und Kokoschutney |
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| In Südindien isst man oft von Bananenblättern. Hier Meals, also südindisches Thali, mit verschiedenen Gerichten. |
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| Guten Morgen: Wir guckten uns den - leider bewölkten - Sonnenaufgang an. |
வணக்கம் (Vanakkam)
ihr Lieben,
nun also
der letzte Bericht zu Indien. Zuerst möchte ich (Fanny) noch ein bisschen
Generelles berichten, bevor ich euch verrate, was wir noch so gemacht haben.
Zum
Beispiel wäre da das Zugfahren in Indien. Es gibt geschätzte acht verschiedene
Zugklassen, also nichts mit einer einfachen Auswahl zwischen 1. und 2. Klasse.
In Indien gibt es erstmal die Auswahl zwischen klimatisierten Wagen und solchen
ohne Klimaanlage. Bei den klimatisierten alleine gibt es dann nochmal die
Möglichkeit, einfach nur im Großraumwagen zu sitzen und dann gibt es
Schlafabteile, die sich nochmal in die 1., 2. und 3. Klasse aufteilen. Ganz
schön kompliziert also. Wir fuhren meist in den klimatisierten 2. Klasse-Schlafwagons.
Die sind nicht so sehr teuer wie die 1. Klasse und dennoch sehr komfortabel und
sicher. Damit ihr euch das ein wenig vorstellen könnt: Eine etwa 12-stündige
Nachtfahrt mit Bett und Bettwäsche kostet in dieser Klasse etwa 20€ pro Person.
Später fuhren wir aber auch in der 3. klimatisierten Schlafwagen-Klasse und das
war auch völlig okay. Ein paar Mal fuhren wir auch in den Sitzwagen-Klassen
sowohl klimatisiert als auch ohne Klimaanlage und hatten dabei Glück, dass es
nicht so voll war.
In
indischen Zügen gibt es zudem keine Ansagen. D.h. man muss selber wissen, wann
man aussteigen muss. Das ist natürlich besonders schwierig, wenn man sich dort
überhaupt nicht auskennt. Wir haben deshalb regelmäßig auf maps auf dem Handy
per GPS gecheckt, wo sich der Zug gerade befindet und manchmal auch die Leute
gefragt, ob sie uns Bescheid sagen können, denn oft hatte der Zug ja sogar noch
Verspätung.
In Indien
gibt es Züge für kürzere Strecken. Diese haben dann meist sowieso nur
Sitzplatz-Klassen. Und es gibt Züge, die vom Start- bis Endpunkt schon mal drei
Tage unterwegs sind. An kulinarischer Versorgung mangelt es jedenfalls nicht,
denn tw. kommen im Minutentakt Verkäufer durch den Zug und schreien: „Chai,
Chai, Chai“ (= Tee) oder „Coffee, Coffee, Coffee“ oder sämtliche indische
Gerichte, die man dann direkt (günstiger noch als im Restaurant) kaufen kann.
Und wir hatten auch immer sehr nette Gespräche in den Zügen. Viele Leute waren
neugierig oder erfreut, uns etwas über ihr Land zu berichten und uns jede Menge
Tipps zu geben, was wir noch besichtigen sollten.
Thema „Frauen
in Indien“: Das ist auch ein Thema für sich. In Indien – das kann man ohne zu
zögern sagen – haben Frauen gesellschaftlich eine untergeordnete Rolle. Es tut
mir weh, als Frau so etwas zu schreiben, aber es entspricht der Wahrheit.
Ausnahmen bestätigen dabei die Regel. Männer haben tendenziell wichtigere
Aufgaben, gehen wesentlich häufiger Erwerbstätigkeit nach und können sich
gesellschaftlich auch viel mehr erlauben. In Indien gibt es zudem einen
Männerüberschuss. Das liegt daran, dass es in der indischen Kultur positiver
bewertet wird, einen Sohn zu bekommen, als eine Tochter. Daher versuchen viele
werdende Eltern, obwohl es verboten ist und unter Strafe steht, (z.B. gegen
Schmiergeldzahlungen) herauszufinden, welches Geschlecht das Kind haben wird
und im Falle eines Mädchens abzutreiben. Ich konnte es erst gar nicht glauben,
aber im Internet findet man tatsächlich Zahlen dazu. In einem Artikel des
Spiegels von 2011 heißt es:
„Die Auswirkung sind der Studie zu Folge
messbar: Normalerweise ist das Geschlechterverhältnis bei Neugeborenen fast
ausgewogen, 105 Jungen kommen auf 100 Mädchen. […]
In Indien ermittelten die Forscher ein Verhältnis von
113 zu 100. Die Zahl der Jungen wird demnach in Neu-Delhi sowie in den
Bundesstaaten Punjab und Gujarat auf bis zu 125 steigen, während aber in den
südlichen und östlichen Bundesstaaten Kerala und Andhra Pradesh normale
Verhältnisse ermittelt wurden.“
Die
indische Männerdominanz konnte man z.B. bei den Feiern zum Geburtstag des
indischen Gottes Ganesh feststellen: Der karnevalsähnliche Umzug bestand fast
ausschließlich aus Männern und alle Personen, die die Rituale durchführten
waren Männer, während Frauen nur zuguckten. Frauen sind auch wesentlich
seltener unabhängig. Sie reisen seltener alleine und werden tw. als moderne
Haussklavinnen gehalten (ja, ich möchte es so nennen), d.h. sie verlassen kaum
das Haus, haben kaum Bildung erfahren und ihre Aufgabe besteht größtenteils
oder ausschließlich darin, zu kochen, die Kinder zu versorgen und das Haus
sauber zu halten. An Ausflügen und Reisen nehmen sie oft gar nicht teil oder
nur in Begleitung eines männlichen Verwandten oder Ehemannes. Das gilt
natürlich lang nicht für alle, ist aber auch keine Seltenheit.
In größeren
Städten, wie Delhi, gibt es natürlich auch Frauen mit ganz anderem Lebensstil,
aber auch da konnten wir z.B. in der U-Bahn die Folgen der gesellschaftlichen
Entwicklung und Einstellung sehen: Beim Eingang zur U-Bahn wurde man wie am
Flughafen gescannt und dafür gibt es jeweils getrennte Bereiche für „Ladies“
und „Gents“. Während Andy in der Männerschlange tw. minutenlang warten musste,
war ich meist schon nach weniger als einer Minute durch und musste hinter der
Kontrolle auf ihn warten. Es fahren also schon mal wesentlich weniger Frauen
U-Bahn und auch das Straßenbild ist in Indien generell von Männern geprägt.
Zudem gibt es in der U-Bahn extra Abteile nur für Frauen. Ich fuhr einmal dort
mit und muss sagen, es war im Vergleich zu den Verhältnissen in den normalen,
mit Männern vollgestopften Wagons echt entspannt.
Auch ein
spannendes Thema ist „Scham“. Interessanterweise ist nämlich in Deutschland und
Indien sehr unterschiedliches Verhalten mit Scham belegt. In Indien ist es kein
Problem, laut zu rülpsen, zu pupsen, oder zu gähnen ohne die Hand vor den Mund
zu halten. All das ist bei uns ja mehr oder weniger mit Scham belegt, während
sich in Deutschland niemand darum kümmert, wenn er oder sie ein händehaltendes,
knutschendes Pärchen auf der Straße sieht. Nicht umsonst verstecken sich Paare
in Indien, wenn sie dies außerhalb von vier Wänden tun wollen.
Zudem
konnten wir, wie auch vorher gelesen, ein gewisses Nord-Süd-Gefälle beobachten.
Im Süden war man zwar immer noch in Indien, aber es war insgesamt etwas
sauberer, v.a. in Kerala konnten wir mehr Frauen auf der Straße sehen, es gab
nicht ganz so viele Kühe auf der Straße usw.
Und wie
ging die Reise weiter bzw. zu Ende? Nach der 20-stündigen Fahrt in Keralas
Hauptstadt Trivandrum wurden wir von einem sehr netten Couchsurfer und seinen
Eltern aufgenommen, wo wir drei Nächte unterkamen, uns die Stadt und ein paar
Strände anguckten und von der Mutter mit typischen Gerichten aus Kerala bekocht
wurden. Als wir an einem der Tage früh aufstanden und uns auf den Weg zu einem
Tempel machten, den anzuschauen uns von der Familie empfohlen worden war,
wurden wir leider enttäuscht: Nicht-Hindus dürfen nicht rein. Außerdem gingen
wir mit unserem Gastgeber, der sonst recht viel zu tun hatte, ins Kino.
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| Kovalam Strand in Kerala |
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| Baustelle vorm Tempel (ganz klein hinten), in Kerala sind übrigens Kommunisten an der Macht |
Nach einer
kurzen Fahrt landeten wir ein paar Tage später an Indiens äußerster Südspitze,
in Kanyakumari. Hier wurden wir Zeugen der Festlichkeiten zum Geburtstag des
Gottes Ganesh, was ein buntes, lautes und wildes Straßenfest war. In
Kanyakumari kann man zudem aufgrund der Lage sowohl den Sonnenauf- als auch den
Sonnenuntergang am Meer betrachten, was wir uns natürlich nicht entgehen
ließen. Vor der Küste der Stadt gibt es zudem zwei Felsen, auf denen Denkmäler
errichtet wurden – eines ist die Statue eines berühmten indischen Dichters, das
andere ein Areal mit Meditationszentrum als Erinnerung an einen Inder, der hier
mal drei Tage am Stück auf den Felsen meditierte. Zu letzterem fuhren wir mit
einem Boot voller indischer Touristen.
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| Umzug zu Ganeshas Geburtstag |
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| Die besagten Felsen mit Statue und Meditationszentrum |
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| In den Straßen Kanyakumaris |
In
Kanyakumari wollten wir auch Geld umtauschen, denn mit unserer Karte konnten
wir ja nirgends abheben, sondern nur Kartenzahlungen tätigen. Dazu gingen wir
in eine Bank und fragten, wo man hier Geld umtauschen könne. „Oben“, sagte man
uns. Wir gingen also hoch und erklärten dem Wachtmann, dass wir Geld umtauschen
wollten. Das ginge hier nicht, sagte er. Hmm, komisch. Also gingen wir wieder
nach unten und fragten eine andere Person. Ja, das ginge hier, allerdings immer
nur bis 15 Uhr. Da es schon nach 15 Uhr war, kamen wir am nächsten Tag wieder.
Der gleiche Mann nahm alles entgegen, ging in ein anderes Büro, um den Kurs
nachzugucken und kam nach 15 Minuten wieder, um uns zu erklären, dass dies nur
wochentags ginge – es war Samstag. Manchmal bekamen wir in Indien fast die
Krise. Wir gingen also zu einem Money Exchange nebenan (wir hatten die Bank eigentlich
bevorzugt) und dort wurde uns das Geld auch an diesem Samstag sofort und ohne
Probleme umgetauscht. War doch gar nicht soo schwierig. Nun hatten wir also
zumindest ein bisschen Bargeld, was wir dringend brauchten, um z.B. Taxifahrten
und Restaurants ohne Kartenlesegerät zu bezahlen.
Unsere
nächste Station war Madurai, wo wir den berühmten Meenakshi-Tempel anguckten.
Hier wollten wir das Hotel mit Karte bezahlen, damit unser Bargeld dann noch
reichte. Doch an der Rezeption sagten sie, das ginge nur mit indischen Karten.
Also versuchten wir es noch einmal an etlichen Bankautomaten, allerdings ohne Erfolg.
Langsam wurden wir verzweifelt. Wenn wir das Hotel mit dem restlichen Bargeld
bezahlten, hatten wir kein Geld mehr für Essen und weitere Fahrten, aber irgendwie
mussten wir das Hotel ja bezahlen. Wir redeten mit der Rezeption, die kaum
Erfahrung mit nicht-indischen Gästen zu haben schienen. Sie sagten, wir könnten
es überweisen und sie könnten am nächsten Tag nachsehen, ob wir bezahlt hätten.
Pustekuchen – eine Überweisung von Deutschland nach Indien von einem normalen
Konto ist nicht am nächsten Tag schon da.
Voller
Verzweiflung schilderte Fanny ihrer Schwester das Problem, die einen großen
südindischen Freundeskreis hat. Sie aktivierte sofort einen Freund, der
wiederum einen anderen Freund fragte, der aus Madurai kommt. Da dieser aber
gerade nicht in Madurai war, überwies er einem Kumpel Geld (etwa 70 € in
Rupien) und schickte diesen los zu unserem Hotel. Etwa zwei Stunden später war
unser Problem gelöst: Der besagte Kumpel kam mit seinem Motorroller, übergab
Fanny das Geld und wir hatten genug Bargeld um das Hotel und unsere Weiterreise zu
bezahlen. Anschließend beglichen wir natürlich die Rechnung mit dem Geldgeber
per Überweisung. Welch großes Glück wir hatten, so schnell Hilfe zu bekommen.
Danke dafür!
Uns ist es übrigens unergründlich, warum die Karte überall auf der Welt funktioniert, nur nicht an indischen Bankautomaten. Von den Inder_innen wurden uns dazu verschiedene Theorien erzählt.
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| Einer der Eingänge des Meenakshi-Tempels in Madurai |
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| Der Tempel hat in alle vier Himmelsrichtungen große Ein-/Ausgänge, die sehr detailreich verziert sind. |
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| Ein weiterer Inder, der vorm Tempel ein Bild mit uns machen wollte - wir knipsten auch mal. |
Von Madurai
ging es nach Pondicherry, einer ehemaligen französischen Kolonie. Hier ging Vieles
für indischen Verhältnisse recht geordnet zu und wir genossen, dass abends
immer die Straße an der Promenade für Autos gesperrt war und man dort dann
prima spazieren oder joggen gehen konnte, was einem etliche Inder_innen gleich taten.
In Pondicherry besuchten wir außerdem ein Meditationszentrum (aus Neugierde),
wo wir gefragt wurden, warum wir nicht auch meditierten, und unser Versuch an
einen Badestrand zu gelangen wurde auch zu einem Abenteuer. Wir fragten im
Hotel, was ein Tuktuk zum besagten Strand kosten würde. Dann ließen wir uns
dort hinfahren. Angekommen mussten wir feststellen, dass hier kein Strand war,
sondern hier nur die Boote zum Strand abfuhren. Es war so heiß und Fanny war
total genervt, weil sie eigentlich nur direkt ins Wasser springen wollte. Ok,
vielleicht fahren wir einfach mit dem Boot, dachten wir. Es stellte sich
allerdings heraus, dass die Bootsfahrt selbst viel mehr kosten sollte als wir
dabei hatten. Nach erster Verzweiflung fragten wir, ob man denn nicht auch
anders zu diesem Strand kommen könnte und also fuhren wir mit einem weiteren
Tuktuk zu einer Stelle nahe des Strandes, von wo wir nur noch ein Stück laufen
mussten. Auch hier versuchte man uns an jeder Ecke „über’s Ohr zu hauen“. Oft
wird erst gesagt, es geht nicht. Dann geht es irgendwann doch. Dann wurde uns
erzählt, wir müssten am besten eine Rückfahrzeit mit dem selben Tuktuk-Fahrer
ausmachen, denn sonst kämen wir nicht wieder zurück. Wir glaubten ihm nicht und
es stellte sich auch heraus, dass wir Recht hatten. Der gute Herr wollte nur
das Geschäft für sich entscheiden. Es gibt in Indien ein Überangebot an Tuktuks,
man braucht sich also kaum Sorgen zu machen, für den Rückweg keines zu finden.
Von
Pondicherry fuhren wir mit dem Zug nach Chennai, unserer letzten
Station. Dort kamen wir zuerst bei der Familie von dem Ex-Freund von Fannys
Schwester unter. Der Vater und Bruder holten uns am Bahnhof ab und die Mutter
bekochte uns. Außerdem fuhren wir zu verschiedenen Läden um Gewürze,
Räucherstäbchen, indische Süßigkeiten und andere Mitbringsel zu kaufen. Und wir
machten einen Ausflug zu den historischen Stätten von Mahabalipuram, wo Andy und
Fanny auch wieder ständig um Selfies gebeten wurden.
Unseren
letzten Abend verbrachten wir dann bei den Eltern eines weiteren indischen
Freundes von Fannys Schwester, der auch in Deutschland studiert. Seine Eltern
waren sehr erfreut, deutsche Gäste zu haben, bekochten und umsorgten uns. Der Vater brachte uns am nächsten Morgen dann zum Flughafen in Chennai, von wo wir
über Dubai zurück nach Frankfurt am Main flogen.
Bald gibt es hier noch eine abschließende Reflektion und dann hoffen wir, euch demnächst unseren Reisefilm zeigen zu können, den Andy schon fleißig schneidet.
Liebe Grüße
Andy und
Fanny