Sonntag, 30. Dezember 2018

Abschließende Reisereflektion


Hallo ihr Lieben,

nun ist es schon drei Monate her, dass wir zurück nach Deutschland gekommen sind und seitdem hat sich viel getan, aber dennoch möchten wir das Jahr und den Blog mit einer abschließenden Reise-Reflektion beenden.
Eine so lange Reise ist schon etwas Besonderes. Wenn wir jetzt daran zurückdenken, kann ich immer noch nicht ganz begreifen, wie lange wir unterwegs waren. Dass wir uns acht Monate lang jeden Tag fast 24 Stunden gesehen haben und oft kaum Rückzugsort hatten. Das kann einerseits anstrengend sein, wenn man Ruhe braucht, aber wann sonst hat man schon so viel Zeit füreinander und um einander intensiver kennenzulernen?! Ja, hin und wieder haben wir uns angemotzt, aber wir haben es geschafft – wir sind immer noch zusammen. Juhu. Wir haben sogar gemerkt, wie ähnlich wir in einigen Hinsichten sind. Das war auf der Reise auch immer wieder hilfreich.
Auch hatten wir acht Monate lang kein festes Zuhause. Alle paar Tage, spätestens aber nach zwei Wochen, ging es weiter und wir mussten uns wieder auf neue Umstände aller Art einstellen. Die beiden Male, die wir wirklich zwei Wochen an einem Ort blieben, fühlte es sich am Ende schon fast an, wie ein Zuhause. Und das nach nur zwei Wochen. Insgesamt konnten wir beobachten, wie wir immer lockerer darin wurden, uns auf Neues einzustellen. Zwei Wochen lebten wir einmal sogar ohne fließend Wasser. Auch das war machbar.
Die Reise verpflichtete uns auch zum Minimalismus. Jede_r von uns hatte einen Reiserucksack und das war alles. Ein paar Kleidungsstücke, die Reiseapotheke, Kulturbeutel und ein paar weitere Utensilien wie Kamera, Laptop, MP3-Player, Bücher. Mehr hatten wir nicht dabei und das reichte aus um glücklich zu sein. Es tut gut, sich frei zu machen vom Materialismus. Auf der Reise zählten eh die Erlebnisse. Das Glück, was wir empfanden, wenn wir nette Menschen trafen, spannende Tiere beobachten konnten, schöne Orte erkunden konnten oder uns auf einer Fremdsprache verständlich machen konnten – all das ist unbezahlbar.
Auch wenn man im ersten Moment denkt, acht Monate seien eine lange Zeit, sind wir dennoch recht schnell gereist. Wir haben Reisende getroffen, die sich gar kein Zeitlimit gesetzt haben und bewundernswerterweise ohne Flugzeug um die Welt reisen. Dafür braucht man natürlich mehr Zeit. Persönlich wollten wir nicht ewig lang unterwegs sein und auch nicht allzu viel Geld ausgeben, somit waren acht Monate genau richtig. Wir haben immerhin den Weg von der Dominikanischen Republik bis in die Mongolei ohne Flugzeug zurückgelegt. Das ist schon ein spezielles Gefühl, denn das ist immerhin eine sehr große Strecke auf der Weltkarte.
Dankbar sind wir allen Menschen, die wir getroffen haben und die uns auf der Reise unterstützt haben. Viele Menschen aus aller Welt haben uns über Couchsurfing bei sich aufgenommen. Sie haben uns vertraut, uns ihr Zuhause und ihre Schlüssel anvertraut, für oder mit uns gekocht oder sich von uns bekochen lassen und uns einen Einblick in ihr Leben gewährt. Wir haben dabei durchweg gute Erfahrungen gemacht und sind dafür sehr dankbar. Aber auch auf der Straße bekamen wir Hilfe von Fremden und zu Hause, nicht zu vergessen, jede Menge Hilfe von der Familie, v.a. mit Papierkram, den wir aus der Ferne nicht selbst erledigen konnten.
Auch doofe Erlebnisse sind Teil einer Reise. Besonders nachhaltig negative Erlebnisse hatten wir zum Glück aber gar nicht. Wenn uns diese Frage gestellt wird, denke ich immer an unser Chlor-Erlebnis in Panama zurück oder vielleicht unser Natron-Experiment in Portugal. Schlimmeres ist aber zum Glück nicht passiert und auch dafür sind wir sehr dankbar. Wir hatten weder bedenkliche gesundheitliche Probleme, noch wurden wir ausgeraubt o.Ä.
Schwierig ist auch die Antwort auf die Frage, was am besten war. Uns haben unsere Aufenthalte in Costa Rica, Portugal, Estland und der Mongolei besonders gefallen, was wohl am meisten mit der dortigen Natur zu tun hat. Aber auch ein paar andere Länder haben unser Interesse geweckt, v.a. Slowenien und auch in Italien und im Baltikum wollen wir noch mehr reisen. Dennoch war eines der tollsten Erlebnisse für mich (Fanny) persönlich, den Sonnenaufgang auf einer Maya-Ruine im Wald Guatemalas zu erleben. Trotzdem ist die Reise so facettenreich, dass es schwerfällt, mal kurz das Beste rauszusuchen oder sie zusammenzufassen. Wir haben immerhin 23 Länder bereist und unglaublich verschiedene Eindrücke gesammelt.
Was wir von der Reise neben schönen Erlebnissen und Fotos mitgenommen haben? Ich denke, eine Reise macht immer offener. Wir wurden so freundlich und mit offenen Armen empfangen, dass wir dies auch mit anderen Menschen tun möchten. Ich wünsche mir, dass wir Menschen im Leben daran denken, anderen zu helfen, wenn wir können, und nicht anderen etwas vergönnen. Auch haben wir sehr viele unterschiedliche Lebensstile kennengelernt und dass es nicht einen Weg gibt. Gleichzeitig haben wir mit ansehen können, wie wir Menschen unsere Erde mit Müll und Abgasen verpesten. In weniger entwickelten Ländern als Deutschland wird einem das oft deutlicher vor Augen geführt. Das ist traurig und animiert gleichzeitig dazu, einen umweltfreundlicheren Lebensstil an den Tag zu legen. Auch deshalb haben wir alle unsere Flüge sowie die Schifffahrt „kompensiert“. Das gespendete Geld wird für Klimaschutzprojekte verwendet, die wiederum helfen, CO2 einzusparen. 

Inzwischen ist auch unser Film zur Reise fertig, den Andy zusammengeschnitten hat. Wenn ihr Interesse habt, diesen zu sehen, dann meldet euch bei uns! Wir teilen gerne unser Erlebtes mit euch.
Damit schließen wir aber auch diesen Blog. Schön, dass ihr mitgelesen habt. 

Bis bald im nicht-virtuellen Leben

Andy und Fanny

Freitag, 26. Oktober 2018

Südindien

In Trivandrum, Keralas Hauptstadt, sind erstaunlich viele Frauen unterwegs, hier warten sie auf den Bus.
Sonnenuntergang am Strand in Kerala
Merry Christmas!
Südindische Spezialität: Dosa (herzhafter Pfannkuchen aus fermentiertem Reis und Mungbohnen) mit Sambar und Kokoschutney
In Südindien isst man oft von Bananenblättern. Hier Meals, also südindisches Thali, mit verschiedenen Gerichten.
Guten Morgen: Wir guckten uns den - leider bewölkten - Sonnenaufgang an.


வணக்கம் (Vanakkam) ihr Lieben,

nun also der letzte Bericht zu Indien. Zuerst möchte ich (Fanny) noch ein bisschen Generelles berichten, bevor ich euch verrate, was wir noch so gemacht haben.
Zum Beispiel wäre da das Zugfahren in Indien. Es gibt geschätzte acht verschiedene Zugklassen, also nichts mit einer einfachen Auswahl zwischen 1. und 2. Klasse. In Indien gibt es erstmal die Auswahl zwischen klimatisierten Wagen und solchen ohne Klimaanlage. Bei den klimatisierten alleine gibt es dann nochmal die Möglichkeit, einfach nur im Großraumwagen zu sitzen und dann gibt es Schlafabteile, die sich nochmal in die 1., 2. und 3. Klasse aufteilen. Ganz schön kompliziert also. Wir fuhren meist in den klimatisierten 2. Klasse-Schlafwagons. Die sind nicht so sehr teuer wie die 1. Klasse und dennoch sehr komfortabel und sicher. Damit ihr euch das ein wenig vorstellen könnt: Eine etwa 12-stündige Nachtfahrt mit Bett und Bettwäsche kostet in dieser Klasse etwa 20€ pro Person. Später fuhren wir aber auch in der 3. klimatisierten Schlafwagen-Klasse und das war auch völlig okay. Ein paar Mal fuhren wir auch in den Sitzwagen-Klassen sowohl klimatisiert als auch ohne Klimaanlage und hatten dabei Glück, dass es nicht so voll war.
In indischen Zügen gibt es zudem keine Ansagen. D.h. man muss selber wissen, wann man aussteigen muss. Das ist natürlich besonders schwierig, wenn man sich dort überhaupt nicht auskennt. Wir haben deshalb regelmäßig auf maps auf dem Handy per GPS gecheckt, wo sich der Zug gerade befindet und manchmal auch die Leute gefragt, ob sie uns Bescheid sagen können, denn oft hatte der Zug ja sogar noch Verspätung.
In Indien gibt es Züge für kürzere Strecken. Diese haben dann meist sowieso nur Sitzplatz-Klassen. Und es gibt Züge, die vom Start- bis Endpunkt schon mal drei Tage unterwegs sind. An kulinarischer Versorgung mangelt es jedenfalls nicht, denn tw. kommen im Minutentakt Verkäufer durch den Zug und schreien: „Chai, Chai, Chai“ (= Tee) oder „Coffee, Coffee, Coffee“ oder sämtliche indische Gerichte, die man dann direkt (günstiger noch als im Restaurant) kaufen kann. Und wir hatten auch immer sehr nette Gespräche in den Zügen. Viele Leute waren neugierig oder erfreut, uns etwas über ihr Land zu berichten und uns jede Menge Tipps zu geben, was wir noch besichtigen sollten.

Thema „Frauen in Indien“: Das ist auch ein Thema für sich. In Indien – das kann man ohne zu zögern sagen – haben Frauen gesellschaftlich eine untergeordnete Rolle. Es tut mir weh, als Frau so etwas zu schreiben, aber es entspricht der Wahrheit. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel. Männer haben tendenziell wichtigere Aufgaben, gehen wesentlich häufiger Erwerbstätigkeit nach und können sich gesellschaftlich auch viel mehr erlauben. In Indien gibt es zudem einen Männerüberschuss. Das liegt daran, dass es in der indischen Kultur positiver bewertet wird, einen Sohn zu bekommen, als eine Tochter. Daher versuchen viele werdende Eltern, obwohl es verboten ist und unter Strafe steht, (z.B. gegen Schmiergeldzahlungen) herauszufinden, welches Geschlecht das Kind haben wird und im Falle eines Mädchens abzutreiben. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber im Internet findet man tatsächlich Zahlen dazu. In einem Artikel des Spiegels von 2011 heißt es:
Die Auswirkung sind der Studie zu Folge messbar: Normalerweise ist das Geschlechterverhältnis bei Neugeborenen fast ausgewogen, 105 Jungen kommen auf 100 Mädchen. […]
In Indien ermittelten die Forscher ein Verhältnis von 113 zu 100. Die Zahl der Jungen wird demnach in Neu-Delhi sowie in den Bundesstaaten Punjab und Gujarat auf bis zu 125 steigen, während aber in den südlichen und östlichen Bundesstaaten Kerala und Andhra Pradesh normale Verhältnisse ermittelt wurden.
Die indische Männerdominanz konnte man z.B. bei den Feiern zum Geburtstag des indischen Gottes Ganesh feststellen: Der karnevalsähnliche Umzug bestand fast ausschließlich aus Männern und alle Personen, die die Rituale durchführten waren Männer, während Frauen nur zuguckten. Frauen sind auch wesentlich seltener unabhängig. Sie reisen seltener alleine und werden tw. als moderne Haussklavinnen gehalten (ja, ich möchte es so nennen), d.h. sie verlassen kaum das Haus, haben kaum Bildung erfahren und ihre Aufgabe besteht größtenteils oder ausschließlich darin, zu kochen, die Kinder zu versorgen und das Haus sauber zu halten. An Ausflügen und Reisen nehmen sie oft gar nicht teil oder nur in Begleitung eines männlichen Verwandten oder Ehemannes. Das gilt natürlich lang nicht für alle, ist aber auch keine Seltenheit.
In größeren Städten, wie Delhi, gibt es natürlich auch Frauen mit ganz anderem Lebensstil, aber auch da konnten wir z.B. in der U-Bahn die Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung und Einstellung sehen: Beim Eingang zur U-Bahn wurde man wie am Flughafen gescannt und dafür gibt es jeweils getrennte Bereiche für „Ladies“ und „Gents“. Während Andy in der Männerschlange tw. minutenlang warten musste, war ich meist schon nach weniger als einer Minute durch und musste hinter der Kontrolle auf ihn warten. Es fahren also schon mal wesentlich weniger Frauen U-Bahn und auch das Straßenbild ist in Indien generell von Männern geprägt. Zudem gibt es in der U-Bahn extra Abteile nur für Frauen. Ich fuhr einmal dort mit und muss sagen, es war im Vergleich zu den Verhältnissen in den normalen, mit Männern vollgestopften Wagons echt entspannt.

Auch ein spannendes Thema ist „Scham“. Interessanterweise ist nämlich in Deutschland und Indien sehr unterschiedliches Verhalten mit Scham belegt. In Indien ist es kein Problem, laut zu rülpsen, zu pupsen, oder zu gähnen ohne die Hand vor den Mund zu halten. All das ist bei uns ja mehr oder weniger mit Scham belegt, während sich in Deutschland niemand darum kümmert, wenn er oder sie ein händehaltendes, knutschendes Pärchen auf der Straße sieht. Nicht umsonst verstecken sich Paare in Indien, wenn sie dies außerhalb von vier Wänden tun wollen.

Zudem konnten wir, wie auch vorher gelesen, ein gewisses Nord-Süd-Gefälle beobachten. Im Süden war man zwar immer noch in Indien, aber es war insgesamt etwas sauberer, v.a. in Kerala konnten wir mehr Frauen auf der Straße sehen, es gab nicht ganz so viele Kühe auf der Straße usw.

Und wie ging die Reise weiter bzw. zu Ende? Nach der 20-stündigen Fahrt in Keralas Hauptstadt Trivandrum wurden wir von einem sehr netten Couchsurfer und seinen Eltern aufgenommen, wo wir drei Nächte unterkamen, uns die Stadt und ein paar Strände anguckten und von der Mutter mit typischen Gerichten aus Kerala bekocht wurden. Als wir an einem der Tage früh aufstanden und uns auf den Weg zu einem Tempel machten, den anzuschauen uns von der Familie empfohlen worden war, wurden wir leider enttäuscht: Nicht-Hindus dürfen nicht rein. Außerdem gingen wir mit unserem Gastgeber, der sonst recht viel zu tun hatte, ins Kino. 
Kovalam Strand in Kerala
Baustelle vorm Tempel (ganz klein hinten), in Kerala sind übrigens Kommunisten an der Macht
Nach einer kurzen Fahrt landeten wir ein paar Tage später an Indiens äußerster Südspitze, in Kanyakumari. Hier wurden wir Zeugen der Festlichkeiten zum Geburtstag des Gottes Ganesh, was ein buntes, lautes und wildes Straßenfest war. In Kanyakumari kann man zudem aufgrund der Lage sowohl den Sonnenauf- als auch den Sonnenuntergang am Meer betrachten, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Vor der Küste der Stadt gibt es zudem zwei Felsen, auf denen Denkmäler errichtet wurden – eines ist die Statue eines berühmten indischen Dichters, das andere ein Areal mit Meditationszentrum als Erinnerung an einen Inder, der hier mal drei Tage am Stück auf den Felsen meditierte. Zu letzterem fuhren wir mit einem Boot voller indischer Touristen.
Umzug zu Ganeshas Geburtstag
Die besagten Felsen mit Statue und Meditationszentrum
In den Straßen Kanyakumaris
In Kanyakumari wollten wir auch Geld umtauschen, denn mit unserer Karte konnten wir ja nirgends abheben, sondern nur Kartenzahlungen tätigen. Dazu gingen wir in eine Bank und fragten, wo man hier Geld umtauschen könne. „Oben“, sagte man uns. Wir gingen also hoch und erklärten dem Wachtmann, dass wir Geld umtauschen wollten. Das ginge hier nicht, sagte er. Hmm, komisch. Also gingen wir wieder nach unten und fragten eine andere Person. Ja, das ginge hier, allerdings immer nur bis 15 Uhr. Da es schon nach 15 Uhr war, kamen wir am nächsten Tag wieder. Der gleiche Mann nahm alles entgegen, ging in ein anderes Büro, um den Kurs nachzugucken und kam nach 15 Minuten wieder, um uns zu erklären, dass dies nur wochentags ginge – es war Samstag. Manchmal bekamen wir in Indien fast die Krise. Wir gingen also zu einem Money Exchange nebenan (wir hatten die Bank eigentlich bevorzugt) und dort wurde uns das Geld auch an diesem Samstag sofort und ohne Probleme umgetauscht. War doch gar nicht soo schwierig. Nun hatten wir also zumindest ein bisschen Bargeld, was wir dringend brauchten, um z.B. Taxifahrten und Restaurants ohne Kartenlesegerät zu bezahlen.
Unsere nächste Station war Madurai, wo wir den berühmten Meenakshi-Tempel anguckten. Hier wollten wir das Hotel mit Karte bezahlen, damit unser Bargeld dann noch reichte. Doch an der Rezeption sagten sie, das ginge nur mit indischen Karten. Also versuchten wir es noch einmal an etlichen Bankautomaten, allerdings ohne Erfolg. Langsam wurden wir verzweifelt. Wenn wir das Hotel mit dem restlichen Bargeld bezahlten, hatten wir kein Geld mehr für Essen und weitere Fahrten, aber irgendwie mussten wir das Hotel ja bezahlen. Wir redeten mit der Rezeption, die kaum Erfahrung mit nicht-indischen Gästen zu haben schienen. Sie sagten, wir könnten es überweisen und sie könnten am nächsten Tag nachsehen, ob wir bezahlt hätten. Pustekuchen – eine Überweisung von Deutschland nach Indien von einem normalen Konto ist nicht am nächsten Tag schon da.
Voller Verzweiflung schilderte Fanny ihrer Schwester das Problem, die einen großen südindischen Freundeskreis hat. Sie aktivierte sofort einen Freund, der wiederum einen anderen Freund fragte, der aus Madurai kommt. Da dieser aber gerade nicht in Madurai war, überwies er einem Kumpel Geld (etwa 70 € in Rupien) und schickte diesen los zu unserem Hotel. Etwa zwei Stunden später war unser Problem gelöst: Der besagte Kumpel kam mit seinem Motorroller, übergab Fanny das Geld und wir hatten genug Bargeld um das Hotel und unsere Weiterreise zu bezahlen. Anschließend beglichen wir natürlich die Rechnung mit dem Geldgeber per Überweisung. Welch großes Glück wir hatten, so schnell Hilfe zu bekommen. Danke dafür!
Uns ist es übrigens unergründlich, warum die Karte überall auf der Welt funktioniert, nur nicht an indischen Bankautomaten. Von den Inder_innen wurden uns dazu verschiedene Theorien erzählt.
Einer der Eingänge des Meenakshi-Tempels in Madurai
Der Tempel hat in alle vier Himmelsrichtungen große Ein-/Ausgänge, die sehr detailreich verziert sind.
Ein weiterer Inder, der vorm Tempel ein Bild mit uns machen wollte - wir knipsten auch mal.
Von Madurai ging es nach Pondicherry, einer ehemaligen französischen Kolonie. Hier ging Vieles für indischen Verhältnisse recht geordnet zu und wir genossen, dass abends immer die Straße an der Promenade für Autos gesperrt war und man dort dann prima spazieren oder joggen gehen konnte, was einem etliche Inder_innen gleich taten. In Pondicherry besuchten wir außerdem ein Meditationszentrum (aus Neugierde), wo wir gefragt wurden, warum wir nicht auch meditierten, und unser Versuch an einen Badestrand zu gelangen wurde auch zu einem Abenteuer. Wir fragten im Hotel, was ein Tuktuk zum besagten Strand kosten würde. Dann ließen wir uns dort hinfahren. Angekommen mussten wir feststellen, dass hier kein Strand war, sondern hier nur die Boote zum Strand abfuhren. Es war so heiß und Fanny war total genervt, weil sie eigentlich nur direkt ins Wasser springen wollte. Ok, vielleicht fahren wir einfach mit dem Boot, dachten wir. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Bootsfahrt selbst viel mehr kosten sollte als wir dabei hatten. Nach erster Verzweiflung fragten wir, ob man denn nicht auch anders zu diesem Strand kommen könnte und also fuhren wir mit einem weiteren Tuktuk zu einer Stelle nahe des Strandes, von wo wir nur noch ein Stück laufen mussten. Auch hier versuchte man uns an jeder Ecke „über’s Ohr zu hauen“. Oft wird erst gesagt, es geht nicht. Dann geht es irgendwann doch. Dann wurde uns erzählt, wir müssten am besten eine Rückfahrzeit mit dem selben Tuktuk-Fahrer ausmachen, denn sonst kämen wir nicht wieder zurück. Wir glaubten ihm nicht und es stellte sich auch heraus, dass wir Recht hatten. Der gute Herr wollte nur das Geschäft für sich entscheiden. Es gibt in Indien ein Überangebot an Tuktuks, man braucht sich also kaum Sorgen zu machen, für den Rückweg keines zu finden.
Von Pondicherry fuhren wir mit dem Zug nach Chennai, unserer letzten Station. Dort kamen wir zuerst bei der Familie von dem Ex-Freund von Fannys Schwester unter. Der Vater und Bruder holten uns am Bahnhof ab und die Mutter bekochte uns. Außerdem fuhren wir zu verschiedenen Läden um Gewürze, Räucherstäbchen, indische Süßigkeiten und andere Mitbringsel zu kaufen. Und wir machten einen Ausflug zu den historischen Stätten von Mahabalipuram, wo Andy und Fanny auch wieder ständig um Selfies gebeten wurden.
Unseren letzten Abend verbrachten wir dann bei den Eltern eines weiteren indischen Freundes von Fannys Schwester, der auch in Deutschland studiert. Seine Eltern waren sehr erfreut, deutsche Gäste zu haben, bekochten und umsorgten uns. Der Vater brachte uns am nächsten Morgen dann zum Flughafen in Chennai, von wo wir über Dubai zurück nach Frankfurt am Main flogen. 

Bald gibt es hier noch eine abschließende Reflektion und dann hoffen wir, euch demnächst unseren Reisefilm zeigen zu können, den Andy schon fleißig schneidet.

Liebe Grüße
Andy und Fanny