Freitag, 27. April 2018

Dominikanische Republik und Kreuzfahrtschiff nach Europa

Strand in Boca Chica, Dominikanische Republik
Vorne unser Schiff, die Zenith, und hinten ein viel größeres Kreuzfahrtschiff
Gemüseverkäuferin in Basseterre auf St. Kitts in der Karibik
Der Poolbereich des Schiffes mit Animationsbühne (rechts).
Blick von der Seite des Schiffes
Frühstück an Deck


Hallo ihr Lieben,
wir sind wieder in Europa – in Lissabon.
Zunächst erst mal die Auflösung der Quizfragen aus dem letzten Post:
1. Oh, wie schön ist Panama;
2. Falco.
Wir haben uns über eure rege Beteiligung gefreut!

Wir verbrachten also drei Nächte in Boca Chica in der Dom. Rep., von wo unser Schiff abfuhr. Der Strand in Boca Chica war sehr bevölkert, v.a. auch mit Einheimischen, und das Wasser sehr flach, dennoch entspannten wir uns dort ein bisschen. Dann ging es per Bus nach Santo Domingo (die Hauptstadt) und mit einem sehr alten, klapprigen Taxi zum Schiffsanleger. Dort mussten wir feststellen, dass der Glaube „es würden wenige Passagiere bei der Überfahrt auf dem Schiff sein“ wohl doch nicht stimmte. Nochmal ganz von vorne. Wie kamen wir eigentlich dazu, so ein Schiff zu nehmen? Ein deutsches Pärchen, das vor ein paar Jahren die Welt umrundete ohne dabei einen einzigen Flug zu nutzen, hatte damals den Atlantik mit ebensolch einem Kreuzfahrtschiff überquert und in seinem Film zur Reise erzählt, dass diese Überfahrt keine normale Kreuzfahrt sei und viel weniger Passagiere als Personal an Bord gewesen seien. Klingt gut, dachten wir und als wir diese Überfahrt fanden, schlug Andy sofort zu. Nun waren aber sehr viele Leute in der Schlange zum Check-in und wir stellten gleich fest, dass – wie wir es auch nicht anders erwartet hatten – wir überhaupt nicht zu dem Standardklientel von Kreuzfahrten passen.
Dieses Schiff ist ein schwimmendes Luxus-Hotel, mit All-inklusive Essen und Getränken, täglicher Zimmerreinigung, Animation und Programm am Pool, mit Casino, Duty-free-Shop, Spa etc etc. Nach einer kurzen Frustphase meinerseits, beschloss ich das Ganze als interessante Erfahrung zu nutzen. Wir (v.a. ich) fragten also die Kellner und Zimmerreinigungspersonen nach ihrer Herkunft aus und auch nach dem Leben und der Arbeit auf so einem Schiff. Dabei erfuhren wir viele spannende Dinge und trafen Menschen aus sämtlichen lateinamerikanischen Ländern, aus Indien, Tunesien, Marokko, Mauritius etc.

Unser Schiff hatte bei dieser Überfahrt etwa 1000 Passagiere an Bord und 550 Menschen im Personal. Früher sollen bei solchen Atlantiküberquerungen (welche das Schiff ja nur zwei Mal im Jahr macht) nur etwa 95 Passagiere an Bord gewesen sein, das hatte sich nun geändert. Das Schiff wurde 1992 in Papenburg in Deutschland gebaut und hat eine Kapazität von bis zu 1800 Passagieren. Das ist aber viel, denkt ihr? Nix da, wir sahen einige viel größere Kreuzfahrtschiffe. Und uns wurde erzählt, dass es auch Schiffe mit 5000 Passagieren gibt, wo dann etwa 2000 Menschen im Personal arbeiten. Kaum zu glauben.
Von Santo Domingo aus waren wir erst mal einen Tag auf See und erreichten dann Basseterre, die Hauptstadt von St. Kitts und Nevis und am nächsten Tag ging es nach St. Johns, der Hauptstadt von Antigua und Barbuda. Auch Andy und ich nutzten diese Stopps jeweils, um das Schiff zu verlassen. Man hatte dort jeweils ca. neun Stunden Zeit für Aktivitäten und während die anderen Passagiere v.a. organisierte Ausflüge machten oder durch die Kreuzfahrt-Touri-Straßen (mit sämtlichen Konsummöglichkeiten) schlenderten und konsumierten, spazierten wir durch die Stadt und ließen uns etwas abseits driften um weg von den anderen Passagieren zu kommen. In Antigua fanden wir sogar einen zu dieser Zeit verlassenen Strand mit Blick auf den Hafen und unser Schiff und genossen dort die Sonne und die relative Ruhe.
Danach folgten sechs Tage und sieben Nächte auf See. In dieser Zeit überquerten wir den Atlantik (zum größten Teil) und hatten etwa eine Geschwindigkeit von 30 Km/h. Sechs Tage ohne Land in Sicht, sechs Tage mit ca. 1000 anderen Passagieren an Bord, sechs Tage schaukeln (wobei es sich wirklich in Grenzen hielt und das Essen im Magen blieb). Da wir mit den anderen Passagieren wenig anfangen konnten – sowohl unsere Konsumfreudigkeit, als auch unser Alter und Körperumfang lagen weit unter dem der Durchschnittskreuzfahrer – suchten wir Orte auf dem Schiff, an denen wir etwas Ruhe hatten. Bald hatten wir das Durchschnittsverhalten grob analysiert und wussten: Das Fitnessstudio leerte sich ab dem frühen Abend, auch die Frauensauna hatte ich abends immer komplett für mich alleine und es gab ein paar weitere ruhige Ecken, sogar mit Meeresbrise um die Ohren.
Ansonsten genossen wir es, mal zwei Wochen nicht kochen zu müssen, Sport machen zu können und das Meer beobachten zu können. Manchmal war es schaukeliger als an anderen Tagen. Manchmal glich die Wasseroberfläche einem Seidentuch. Eigentlich wurden wir sehr geschont, denn mitten auf dem Atlantik schaukelte es kaum im Vergleich zum Schaukeln zwischen den Azoren und Lissabon. Auch war es in der Karibik noch tropisch warm und wurde von Tag zu Tag, den wir uns gen Norden bewegten, kühler, bis es schließlich recht kalt und windig war. Manchmal konnte man in der Ferne ein anderes Schiff sehen und einmal sahen wir sogar einen Wal, beziehungsweise nur ein kleines Stück Rücken und v.a. die Fontäne, die er sprühte. Außerdem mussten wir sechs mal nachts die Uhr eine Stunde vorstellen. Das war zwar wesentlich schonender als ein Flug mit anschließendem Jetleg, bewirkte aber trotzdem, dass wir morgens jeden Tag müder waren.
Dann kam endlich wieder Land in Sicht und wir waren einen Tag in Ponta Delgada, der Hauptstadt der Azoren, eine Inselgruppe im Atlantik, die zu Portugal gehört. Das Klima war frühlingshaft-warm und wir schnupperten endlich wieder europäische Luft und erkundeten ein bisschen die Stadt. Nach weiteren 48 Stunden auf See, legten wir dann gestern Abend in Lissabon an und übernachteten noch eine Nacht auf dem Schiff.
Fazit der Kreuzfahrtschiffsreise: Es war eine interessante Erfahrung in vielerlei Hinsichten, aber wir haben nicht vor, (nochmal) eine Kreuzfahrt zu machen, schon gar nicht der Kreuzfahrt selbst wegen.

Andys Quiz:

1. So mancher Rentner wollte sich an seinem Lebensabend noch einmal jung fühlen. So landete des öfteren das letzte Abendmahl nach 5 Flaschen Sekt im Pissoir.
Was war das ekelhafteste, was die Reinigungskräfte auf dem Schiff säubern mussten?
A Dreck im Bett
B Blut im Schuh
C Stuhl im Gang

2. Was ist der letzte Schrei am Pool des Schiffes?
A Hennah Tattoos
B Thrombosestrümpfe
C Sekt aus dem Schnabelbecher


Hier in Lissabon werden wir bei einem Couchsurfer übernachten, einige organisatorische Dinge regeln, v.a. aber am Montag bei der Visumsstelle für Russland vorstellig werden und unser Visum beantragen. Danach geht es dann zu einer Familie in die Algarve (Südportugal), wo wir zwei Wochen arbeiten werden. Davon berichten wir dann nächstes Mal.

Bis dahin, viele Grüße
Andy und Fanny

2 Kommentare:

  1. Benvenuti/benvenidos/bienvenue/willkommen/welcome im guten alten Europa!
    Bei mir gibts dann Brezeln, frisch importiert aus Schwaben ;-)
    tia S.

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  2. Quiz-Antworten: 2 mal C. Echt lecker...
    Petra

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