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| Das obligatorische Foto vorm Taj Mahal |
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| Weitaus weniger bekannt - das Eingangstor zum Gelände des Taj Mahal |
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| Streifenhörnchen - kein seltener Anblick |
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| Eingang in einen hinduistischen Tempel in Delhi |
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| Innenraum des besagten Tempels |
नमस्ते
(Namaste) ihr Lieben,
nun sind wir schon seit
über zwei Wochen in Indien und kommen jetzt erst dazu, mal wieder zu
berichten. Wir landeten also in Delhi und verbrachten erstmal fünf
Tage dort. Der erste Tag war wohl auch der schrecklichste, denn wir
wollten uns um eine indische SIM-Karte und Zugtickets kümmern. Es
stellte sich bald heraus, dass wir nicht wussten, wem wir trauen
können und wem nicht, v.a. weil Delhi dafür bekannt ist, dass
westliche Reisende über den Tisch gezogen werden. Es gibt dabei
allerhand Tricks, wie z.B. dass man zum offiziellen Touristenbüro
der indischen Bahn im Bahnhof gehen möchte und vorher abgefangen
wird, einem erzählt wird, dieses sei geschlossen, aber man könne zu
einem anderen vermeintlich „offiziellen“ Touristenbüro mitkommen
– wo man dann allerdings abgezogen wird, wenn man nicht kritisch
genug ist. Den Touristen-Bahnschalter fanden wir ohne Probleme, die
Beschaffung der SIM-Karte war allerdings ein Abenteuer.
Auf unsere Nachfrage
zeigte uns ein Mann vom Hotel einen Vodafone-Stand am Straßenrand.
Da wir im Internet allerdings lasen, dass das schon ein richtiges
Geschäft sein muss, waren wir misstrauisch. Sonst bekommt man oft
eine gebrauchte SIM und hat das gezahlte Geld in den Sand gesetzt.
Wir suchten im Internet also einen Vodafone-Shop in unserer Nähe
heraus und liefen im Gewühle und in der Hitze zu dem angegebenen
Ort, fanden aber nichts. Ein Mann wollte uns helfen und erklärte,
ein ehemaliger Premierminister sei am Tag zuvor gestorben und
aufgrund der Staatstrauer haben nun viele kleine Läden mehrere Tage
geschlossen. Wir sollen doch weiter ins Zentrum fahren, dort könne
man eine SIM-Karte beim Ministerium für Tourismus bekommen. Hmm, ob
das stimmen mag? Er hielt uns ein Tuk tuk (motorbetriebene Rikshaw)
an und dieses brachte uns zu einem vermeintlichen Ministerium für
Tourismus. Das ganze sah sehr professionell aus, aber der Mann dort
war uns zu aufdringlich, wir wurden misstrauisch.
Schließlich nahm
uns ein Mann von der Straße mit zu einem Shop eines indischen
Mobilfunkanbieters. Dieser sah auch vertrauenswürdig aus und es
klappte alles, wir hatten schließlich eine funktionierende SIM-Karte
mit Internet. Nur wissen wir nicht, ob in dem Preis, den wir zahlten,
noch eine Provision enthalten war, für den Mann, der uns zu dem Shop
brachte. Auch das ist sehr häufig der Fall in Indien.
Nach diesem
anstrengenden ersten Tag ging es allerdings bergauf und wir haben
inzwischen ein gesundes, aber nicht zu starkes Misstrauen entwickelt.
Wir machten ein bisschen Sightseeing in Dehli, u.a. das Red Fort
(eine alte rote Festung); einen Park mit einer goldenen
Buddha-Statue, in dem wir fast nur knutschende (was sonst in der
Öffentlichkeit ja verpönt ist) indische junge Pärchen sahen; die
dunklen, stickigen Gassen von Alt-Delhi; einen hinduistischen Tempel
und einen weiteren Park. Außerdem fuhren wir mit dem Zug nach Agra
und guckten uns das berühmte Taj Mahal an, sowie das Agra Fort. Das
Taj Mahal war echt ein Erlebnis und in Wirklichkeit sieht es viel
filigraner aus als auf Fotos. Beim Agra Fort fing an, was uns hier
nun in unterschiedlicher Intensität verfolgt: Sämtliche Inder_innen
wollen Fotos/Selfies mit uns machen. Und willigt man einmal ein, dann
stehen sie tw. sogar Schlange. Wir nehmen es gelassen und machen
freundlich mit, immerhin machen wir ihnen damit eine große Freude.
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| Alt-Delhi - fragt sich, wer diesen Gordischen Knoten je wieder entwirren wird?! |
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| Eingang zum Red Fort Delhi |
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| Diese Familie wollte mit uns fotografiert werden, beim Agra Fort. |
In Indien stehen wir
unter ständiger Beobachtung und werden regelmäßig auf der Straße
angesprochen: „Hello, what‘s your name? Where you from?“ oder
auch „Namaste“ und Andy bekam regelmäßig „nice beard“
(hübscher Bart) zu hören. Woran wir uns in (Nord-)Indien außerdem
gewöhnen mussten? Den Lärm der Autohupen (Ohropax sind super
hilfreich), Kühe auf der Straße und auch fast überall sonst (z.B.
auf dem Bahnsteig), auch Hunde und Ziegen an vielen Orten, viel
Dreck, Verpackungsmüll, Menschen- und Tierscheiße, und jede Menge
Abgase und stickige Luft.
Die Belohnung
allerdings: wirklich leckeres Essen, bunte Farben und gute
(Räucherstäbchen-)Düfte und auch jede Menge freundlicher und
interessierter Menschen. Indien ist ein Land der krassen Extreme, man
findet hier alles (sagen selbst die Inder_innen). Gleichermaßen
haben wir gelesen, dass es Unterschiede zwischen Nord- und Südindien
gibt (der Süden soll freundlicher, sauberer und in besserem Zustand
sein) und wollen daher zunächst für Nordindien und über unsere
Erfahrungen dort sprechen.
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| Kinder spielen im Müll am Fluss |
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| Diese Kuh chillt am Bahnhof in Neu-Delhi. |
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| Der Bahnhofsvorplatz in Neu-Delhi |
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| Auf zum Nachtzug! |
Von Delhi ging es
dann mit dem Nachtzug nach Varanasi. Wir haben schon von Zügen mit
ca. 10 Stunden Verspätung gehört, hatten aber bisher immer Glück.
Pünktliche Abfahrt und Ankunft mit „nur“ ein bis drei Stunden
Verspätung.
Varanasi ist nochmal
ein Ort für sich. Die Stadt ist für die Hindus heilig, da sie am
heiligen Fluss „Ganges“ liegt. In diesem Fluss wird gebadet,
gewaschen und die Toten werden dort bestattet. Ja, ihr habt richtig
gehört. Und noch dazu muss ich sagen, dass wenn man den Fluss als
Nicht-Gläubige_r betrachtet, dann ist es nur eine braune, völlig
verdreckte Brühe – einer der schmutzigsten Flüsse der Welt.
Die verschiedenen
heiligen Dinge (Baden, Waschen, Tote Bestatten) werden an
verschiedenen sogenannten Ghats (Treppen als Zugänge zum Fluss)
ausgeführt. Einen richtig guten Überblick bekamen wir bei einer
morgendlichen Bootstour. Normalerweise kann man auch am Fluss direkt
entlang laufen, durch den Regen ist das Wasser derzeit aber zu hoch.
Es gibt ein paar Ghats mit verschiedenen Funktionen. Gebadet wird an
vielen verschiedenen, genauso wie das Kleidung Waschen. Und dann gibt
es ein Ghat, wo die Toten verbrannt werden, und hier kommt man dem
Thema Tod so nah, wie sonst kaum. Hier verbrannt und in den Fluss
gestreut zu werden (Schwangere, Kinder und Heilige werden übrigens
nicht verbrannt, sondern die Leiche wird im Fluss versenkt) soll
bewirken, dass die Hindus aus dem ewigen Kreis der Wiedergeburt
ausbrechen können und für immer ihre Ruhe finden.
An diesem Ghat steht
man zwischen Kühen, Kuhscheiße und Straßenhunden und sieht die
brennenden Scheiterhaufen. Eine nach der anderen kommen die
Prozessionen der Trauernden mit einer Bare aus Bambus, auf der die
Leiche, in orangene und goldene Tücher gewickelt, liegt, zum Ghat
runtergelaufen. Wir sehen nur Männer unter den Trauernden – Frauen
seien nicht erlaubt, erzählt man uns, da zumindest die (Ehe-)Frauen
zu oft schon mit auf dem brennenden Haufen gesprungen waren, um
zusammen mit ihrem Mann die letzte Ruhe zu finden. Das Holz für die
Verbrennung wird zu einem viereckigen Haufen aufgestapelt. Hierbei
wird, wenn man es sich leisten kann, oft (ein Teil) Sandelholz
benutzt, da dieses beim Verbrennen gut riecht. Die Leiche wird auf
der Bambusbare zuerst einmal in den Fluss getaucht und dann am Ufer
abgelegt. Als der Haufen soweit ist, werden die Tücher abgenommen
und wir können beobachten, wie ein naher Angehöriger die Leiche des
(in diesem Fall) jungen Mannes in seine Arme nimmt und sie behutsam
auf den Holzhaufen legt. Durch einen Ast wird der Kopf stabilisiert.
Die Angehörigen nehmen Abschied und dann wird der Holzhaufen
angezündet. Daneben brennen schon zwei Haufen seit geraumer Zeit und
als wir nach einem Cafébesuch wiederkommen, brennt der besagte
Haufen auch immer noch lichterloh.
So wird einer nach
der anderen ein_e Tote_r verbrannt und findet im heiligen Ganges
seine letzte Ruhe. Rund um den Ghat riecht man den Rauch und Asche
wirbelt durch die Luft. Überall ist Holz aufgestapelt um dem hohen
Verbrauch nachkommen zu können. Und Touristen, wie auch
Einheimische, beobachten das Geschehen gleichermaßen. In den engen,
dunklen, verzweigten und dreckigen Gassen rund um den Ghat gibt es
jede Menge kleine Läden, Cafés und Restaurants. Motorräder fahren
laut hupend durch die Gassen und parken in Kuhscheiße. Kinder rennen
über den Pflasterstein, Alte sitzen an den Straßenrändern, hier
und da liegt ein Mensch und schläft. Müll und Tierkot wird
weggefegt. An der nächsten Ecke werden Samosas frittiert. DAS ist
ein extremes Beispiel und steht keinesfalls für jeden Ort in Indien,
aber hier kommen viele Extreme zusammen, die es in Indien gibt.
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| Zeremonie am Ganges |
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| Viele Menschen baden im Ganges. |
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| Varanasi vom Fluss aus gesehen |
In Varanasi wohnen
wir etwas außerhalb des Zentrums in einem Gästehaus bei einer sehr
netten Familie. Die Mutter verwöhnt uns mit leckerem, hausgemachtem
Essen und wir nehmen bei ihr einen kleinen Kochkurs und lernen ein
Thali zuzubereiten. Thali, im Süden auch Meal genannt, ist eine
Platte mit verschiedenen Currys, Linsen, Reis, Brot, ev. Salat (hier
meist die Bezeichnung für frische Zwiebeln mit Limette und Salz),
ev. Pickles (Eingelegtes) und je nach Version manchmal noch mit
Joghurtgerichten oder Nachtisch. In Delhi haben wir Thali unlimited
(das bedeutet man bekommt so oft mehr gereicht, wie man möchte) z.B.
für 70 indische Rupien gefunden. Das sind umgerechnet keine 0,90 €.
In touristischen Gegenden findet man das aber auch mal teurer für
bis zu 2,50 €. In dieser Hinsicht lebt man echt günstig in Indien,
v.a. an nicht so touristischen Orten. Wegen Infektionsgefahr meiden
wir Essen von Straßenständen und Frisches, v.a. wenn man es nicht
einfach schälen kann. Mit Tuk tuk-Fahrern müssen wir immer hart
verhandeln, denn sie wollen (wie übrigens viele andere auch) anfangs
oft mehr als das Dreifache des normalen Preises von uns haben.
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| Ein typisches Thali |
In Varanasi guckten
wir uns noch das Gelände der Universität an. Hier fanden wir auch
ein Institut für Ayurveda. Dann ging es zum Bahnhof, um mit dem
Nachtzug nach Jabalpur in Zentralindien zu fahren. Für den 6 km
langen Weg zum Bahnhof brauchten wir eine gute Stunde. Die Straßen
sind überfüllt, jeder Raum wird genutzt – von Fußgänger_innen,
Fahrradfahrer_innen, Mopeds, Tuk tuks, Rikshaws, Autos, Kühen,
Hunden -, es regnet und stinkt nach Abgasen. Aber irgendwann sind wir
da und froh, viel zu viel Zeit eingeplant zu haben. Auch der Bahnhof
ist voll von wartenden, auf dem Boden schlafenden oder sitzenden
Reisenden. Es gibt einen Warteraum für „foreigners“
(Ausländer_innen), der uns empfohlen wird – dort sitzen vier
weitere Touristen in einem riesigen Raum mit schicken Sofas,
Klimaanlage, Ventilatoren und sauberen Toiletten. Ja, Indien ist ein
Land der Extreme.
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| Wartende im Bahnhof von Varanasi... |
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| ...Warteraum für ausländische Reisende gleich daneben |
Nächstes Mal
berichten wir dann von Jabalpur und Zentralindien.
Bis dahin, viele
Grüße von
Andy und Fanny
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