 |
| Die Kul-Sharif-Moschee im Kazaner Kreml |
 |
| Schlendern am Ufer der Wolga in Kazan. Hier ging es sehr kitschig zu... |
 |
| ...mit u.a. solchen Bänken. Aber es gab auch zwei Klaviere, Schaukeln und ein großes Vier-Gewinnt-Spiel zur Vergnügung der Schlendernden |
 |
| Die Briefkästen im Haus, wo wir wohnten |
 |
| Im Tatarenviertel in Kazan gibt es viele bunt verzierte Holzhäuser und einige Moscheen. |
 |
| In Jekaterinburg wohnten wir bei Julia, mit der wir sehr viel Spaß hatten, hier beim Schokolade essen. |
 |
| Andy beim Einkaufen - ähm, ne im Museum im Jelzin-Center in Jekaterinburg |
 |
| Der Blick vom Balkon in Jekaterinburg |
 |
| Auch sowas sieht man tw. noch auf den Straßen |
 |
| Der Versuch in Russland zu trampen |
 |
| Picknick und Unterhaltung mit Julia und ihren Freunden in einem Dorf im Ural |
 |
| Auf der langen Zugfahrt teilten wir das Abteil mit Svetja (vorne) und ihrer Mutter Babuschka (russisch für Oma) |
 |
| Der Heißwasserkessel im Zug. Hier kann man sich für Tee, Instant-Nudeln o.Ä. Wasser holen. Auf dem Thermometer sieht man, dass es etwa 90 Grad heiß ist. Erhitzt wird es wie ein kleiner Kamin. Als Fanny einmal einen Mülleimer für ihr Taschentuch suchte, machte der Schaffner dort unten auf und sagte, dass es dort rein könne. |
 |
| Buntes Treiben bei der Pause auf dem Bahnsteig |
 |
| Andy, mit der Kamera in der Hand: "Setz dich doch mal auf ne Schaukel!" Fanny: "Wie denn bitte? Die sind alle kaputt." |
 |
| Haus am Baikalsee |
 |
| Und (vermutlich) Oligarchenvilla am Baikalsee |
Privjet ihr Lieben,
wir befinden uns immer noch in Russland: Von Moskau ging es also mit dem Nachtzug nach Kazan, der Hauptstadt von Tatarstan. Dies war auch vor langer Zeit mal unabhängig, aber eine der ersten Nationen, die in das russische Reich aufgenommen wurden. Heute leben hier etwa 50 % Tataren, die auch eine eigene Sprache haben, und etwa 50 % Russen. Die Fahrt nach Kazan war etwas anstrengend, da wir erst kurz vor Mitternacht losfuhren und es Fanny aufgrund ihrer Erkältung nicht gut ging. In Kazan angekommen kurierten wir uns erstmal in unserer Airbnb-Wohnung aus und erkundeten ansonsten die Stadt und auch das Tatarenviertel. In Kazan gibt es neben Kirchen auch Moscheen, denn viele Menschen sind hier Muslime. Kazan wird sogar immer wieder dafür gelobt, wie friedlich die verschiedenen Religionen hier miteinander leben. Im Kazaner Keml stehen Moschee und Kirche keine 500 Meter entfernt voneinander.
Von Kazan ging es wieder mit dem Nachtzug nach Jekaterinburg. Diesmal hatten wir statt 3. Klasse (sog. „Platzkart“) die 2. Klasse gebucht und das war schon etwas komfortabler. Man schläft hier nicht wie im Platzkart mit 54 Personen in einem offenen Wagon, sondern nur noch zu viert in einem Abteil, und auf unseren oberen Liegeplätzen konnten wir auch sitzen ohne den Kopf einziehen zu müssen. In Jekaterinburg kamen wir vier Nächte bei einer Couchsurferin unter. Julia spricht sehr gut Deutsch, hat schon mal in Berlin gewohnt und geht nun bald wieder nach Deutschland. Sie ist für uns eine Freundin geworden, weil wir uns so super verstanden und viele gemeinsame Interessen haben. Julia wohnt in einem Zimmer, welches ihre Mutter gekauft hat. In Russland kauft man also nicht unbedingt eine ganze Wohnung, sondern nur ein Zimmer. Bad und Küche werden mit den anderen in dieser Einheit wohnenden Personen geteilt.
Mit Julia gingen wir in ein vegetarisch-veganes Restaurant essen, trafen einige ihrer Freunde, kochten, erkundeten die Stadt, gingen ins Café, außerdem fuhren wir mit dem Bus an die Grenze Europa – Asien, die sich nicht weit außerhalb der Stadt befindet. Eigentlich ist dieser Grenzpunkt nichts Spezielles, er ist eher symbolisch, denn Jekaterinburg liegt am Ural, welcher ja geografisch die Grenze darstellt. Dann liefen wir an der Straße entlang und versuchten letztendlich per Anhalter wieder zurück in die Stadt zu kommen. Aber niemand hielt. Und wenn jemand hielt, dann nicht für uns, sondern um Pause zu machen. Es war schon gut, dass Julia dabei war, denn sprachlich wären wir beide da nicht sehr weit gekommen. Ein Mann, der gerade Pause machte, sagte dann aber, wenn wir in einer halben Stunde nichts gefunden hätten, könnten wir bei ihm mitfahren. Da es an der Autobahn stank, laut und heiß war, bestellte Julia über eine App ein Taxi und wir warteten und warteten. Irgendwann winkte uns der Mann zu sich. Und nun? Julia bestellte das Taxi kostenfrei wieder ab, wir stiegen ein und waren zum Glück kurze Zeit später wieder in Jekaterinburg, denn der Mann hörte seeeeehr laut Musik und rauchte im Auto.
Außerdem besuchten Andy und Fanny das Museum im Jelzin-Center, einem Shopping-Mall-ähnlichen Gebäude mit ein paar Geschäften, Konferenzräumen, dem Museum etc. Das Museum zeigt die Geschichte Russlands etwa vom Beginn Jelzins politischer Karriere bis zu seinem Ende, als Putin dann übernahm. Am letzten Tag vor unserer Abfahrt fuhren wir mit zwei Freunden von Julia, die sich das Auto der Eltern leihen durften, in ein kleines, schönes Dorf im Ural, anderthalb Stunden außerhalb der Stadt. Dort genossen wir das schöne Wetter, die Natur und den Ausblick von dem Felsen, auf dem wir picknickten.
Dann ging es wieder los - diesmal nach Irkutsk. Um von Jekaterinburg dorthin zu gelangen, absolvierten wir eine Zugfahrt, die drei Nächte und zwei Tage dauerte. Auch dafür hatten wir 2. Klasse gebucht und diesmal wohnten auch wir richtig im Zug. Wir machten es uns gemütlich, lernten die für unseren Wagon zuständigen Schaffnerinnen kennen und ein paar Mitreisende, u.a. eine junge Reisegruppe aus Australien/Dänemark/den Niederlanden, ein älteres österreichisches Ehepaar, Franzosen und natürlich jede Menge Russen. Unser Abteil teilten wir bis Novosibirsk mit Svetja (um die 60) und ihrer 85-jährigen Mutter, die wir „Babuschka“ (russisch für Oma) nennen sollten. Svetja war wirklich sehr neugierig und gesprächig. Wir teilten unsere Teigtaschen mit ihnen und bekamen dafür jede Menge Schokoladenbonbons. Svetja wollte alles Mögliche wissen und mitteilen, somit kam zum ersten Mal Andys Point-it-Wörterbuch so richtig zum Einsatz. Das ist ein Büchlein mit lauter Bildern, von Dingen, die man v.a. auf Reisen kommunizieren will und eignet sich, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht – dann kann man auf die Bilder zeigen. Sie konnte ein paar wenige Wörter Deutsch, denn sie hatte mal Brieffreunde in der DDR (sie nannte uns immer wieder die Namen, damit wir das verstanden) und besuchte diese sogar 1985 in Ost-Berlin. Allerdings dauerte es z.B. etwa eine Viertelstunde bis wir verstanden, was sie uns mitteilen wollte, als sie sagte, dass Babuschka und sie schon Rentnerinnen seien. Dafür gibt‘s leider kein passendes Bild in dem Büchlein.
Die beiden reisten von Moskau nach Novosibirsk. Dort lebt Svetja. Babuschka lebt mit Svetjas Schwester in L‘vov, in der Ukraine. Die Schwester hatte die alte Frau nach Moskau gebracht und dort holte Svetja sie ab, um mit ihr nach Novosibirsk zu fahren. Für ihr Alter war Babuschka noch echt gut in Schuss. Da die beiden so herzlich waren, wurde es umso ruhiger als ab Novosibirsk ein zurückgezogenes Ehepaar mit erwachsener Tochter (die in einem anderen Abteil schlief) das Abteil mit uns teilte. Sie lehnten unsere Schokobonbons ab und boten uns auch nichts an. Und der Mann schnarchte nachts fürchterlich. Man sieht also, es gibt ‚sone und solche‘.
Trotz der Länge der Fahrt, wurde es nie langweilig im Zug. Wir beobachteten die grüne Landschaft und die Dörfer und Städte, durch die wir fuhren. Mehrmals täglich gab es einen längeren Aufenthalt (zwischen 20 und 60 min.) in einem größeren Bahnhof. Dann wurden die Toiletten im Zug abgeschlossen und man konnte im Bahnhof dorthin gehen. Alle Leute strömten dann auf den Bahnsteig, wo an den Kiosken ein Eis, Snacks, etwas zu Mittag/Abend oder eine russische 5-Minuten-Terine gekauft wurde. Im Zug gab es einen Behälter mit heißem Wasser, wo man sich seine Instant-Nudeln/-Kartoffelbrei etc. dann zubereiten konnte. Einmal am Tag saugte die Schaffnerin dann auch den ganzen Wagon, inklusive jedem Abteil, und regelmäßig putzte sie das Klo. An einer der wenigen Steckdosen des Wagons hingen über einen Verteiler so viele Elektrogeräte, dass es irgendwann am Kabel qualmte, was Andy zum Glück bemerkte und dieses zog. Außerdem lasen wir und hörten Musik, unterhielten uns – ja dazu hatten wir nun mehr Zeit denn je.
Im Bordrestaurant fanden wir sogar ein paar vegetarische Alternativen auf der Karte, entschieden uns aber für unser Mitgebrachtes: eingemachte Bohnen und Gemüse im Glas mit Brot und Andy hatte auch ein paar Instant-Gerichte im Gepäck. Außerdem entdeckten wir bei unserem Streifzug durch die verschiedenen Wagons, dass es auch eine 2. Klasse mit Klimaanlage gibt, waren aber froh, diese nicht gebucht zu haben, da es bei uns angenehm warm und bei Bedarf frisch durch das geöffnete Fenster war. Am dritten Morgen war es dann soweit. Eine Stunde vor Ankunft kam die Schaffnerin und machte uns darauf aufmerksam, dass wir bald da seien. Dann waren wir im warmen Irkutsk, in Sibirien.
Eine Nacht verbrachten wir in Irkutsk bevor wir nach Listwyanka am Baikalsee fuhren. In Irkutsk mussten wir feststellen, dass wir nun tatsächlich in Asien waren. Insgesamt erinnerten uns die Verhältnisse (z.B. die Qualität der Straßen, Straßenbahnen, Fußwege, die Kontraste zwischen schickem Shopping-Center und heruntergekommenen Häusern) doch eher an Asien als an den europäischen Teil Russlands. Mit einem etwas klapprigen Bus ging es dann in anderthalb Stunden in das Dorf Listwyanka, welches direkt am Baikalsee liegt, dem wohl tiefsten See der Erde. Dort befinden wir uns nun seit ein paar Tagen. Hier treffen sich chinesische, deutschsprachige und russische Touristen, an jeder Ecke wird Fisch geräuchert, sodass man selber nach einem Spaziergang schon ganz geräuchert riecht. Hier ist es etwas kühler, etwa um die 20 Grad, es gibt viele Stände und einen kleinen Markt für Touristen, auch ein paar kleinere Hotels, viele Boote, die umherfahren und viel Natur.
Ein paar Tage bleiben uns hier noch bis es über Irkutsk weiter nach Ulan-Ude geht und dann von dort in die Mongolei. Vor ein paar Wochen haben wir beschlossen, dass wir China überspringen werden, sodass wir dann von Ulan-Bator in der Mongolei direkt nach Hongkong fliegen werden, wo wir Cherry besuchen wollen, die ein Jahr bei Fannys Eltern als Gastschülerin gelebt hat.
Wir sind inzwischen schon ein bisschen ‚müde‘ vom vielen Reisen (am 24.7. werden wir seit genau einem halben Jahr unterwegs sein), außerdem ist es recht aufwendig und nicht sicher, ob man das China-Visum bekommt.
Somit stehen uns jetzt noch die Mongolei, Hongkong und Indien bevor und Ende September sind wir dann zurück in Deutschland.
Macht‘s gut, bis bald
Andy und Fanny
In Cuba hätten sie dieses Fahrzeug wieder "auf Vordermann" und mit glänzender Karosserie zum Laufen gebracht und als Taxi genutzt...
AntwortenLöschen