Samstag, 6. Oktober 2018

Zentral- und Westindien

Die Zeremonie beim Brüder und Schwestern-Festival
Ein Affe, den wir im Naturreservat in Jabalpur trafen
Eine Festung in Jabalpur - hier wurden wir um etliche Selfies gebeten
Mit Anant, der uns Jabalpur zeigte und sogar ein Geschenk gab, weil wir die ersten Couchsurfer_innen waren, die er in seiner Heimatstadt traf
Kuh am Strand in Goa
Die herrlich grünen Reisfelder in Goas Hinterland
Fischfang am Strand von Palolem


 नमस्ते (Namaste) ihr Lieben,

wir sind vor anderthalb Wochen wieder in Deutschland angekommen und gerade jede/r bei der eigenen Familie. Nun holen wir aber noch die Berichterstattung nach:
Von Varanasi in Nordindien ging es also mit dem Nachtzug nach Jabalpur, einer touristisch nicht sehr bekannten Stadt mitten in Indien. In Jabalpur wohnen zwar auch etwa 1 Mio. Menschen, das ist für Indien aber nicht viel. Entsprechend mussten wir gleich feststellen, dass es hier viel entspannter, leerer und sauberer zuging, als was wir bisher von Indien gesehen hatten. In Jabalpur hatte uns ein 47-jähriger Mann von Couchsurfing zu sich und seiner Familie nach Hause eingeladen, was den Aufenthalt dort zu einer richtig schönen Erfahrung machte. Die Familie hat ein großes Haus mit kleinem Garten und dort wohnen Oma und Opa, Mutter und Vater und der 17-jährige Sohn. Die Tochter wohnt bereits nicht mehr zu Hause, da sie zum Studieren umgezogen ist. Zudem kam auch mehrmals der Bruder unseres Gastgebers mit Frau, Sohn und Tochter vorbei. Es war also ein richtiges Großfamiliengefühl. (Foto siehe voriger Eintrag)
Am ersten Tag gab es gleich ein besonderes Ereignis: Das Brüder-und-Schwestern-Fest wurde gefeiert. Soweit wir erfahren haben und beobachten konnten, werden dabei die Brüder von ihren Schwestern und Cousinen gefeiert (umgekehrt leider nicht, warum auch immer). Von jeder Schwester oder Cousine bekommen sie ein buntes Armbändchen, welches sie beschützen soll, damit sie noch lange für ihre Schwestern/Cousinen da sind. Da nicht alle Schwestern und Cousinen anwesend sein konnten, übernahm in dieser Familie die junge Tochter des Bruders die Rolle und führte mit ihrem Bruder, Cousin, Vater, Onkel und Opa die Zeremonie durch. Dabei musste sich der jeweilige Mann auf ein Höckerchen setzen und bekam ein Tuch über die Haare gelegt. Dann wurde ein Tablett mit rauchenden Räucherstäbchen ein paar Mal vor ihrer Nase gekreist und anschließend bekamen sie mit Farbpulver einen rot-gelben Punkt zwischen die Augenbrauen getupft. Dann bekamen sie die Bändchen umgebunden und anschließend wurde ihnen noch eine Süßigkeit in den Mund gesteckt. Warum das genau so verläuft, können die meisten Menschen wohl selbst nicht mehr erklären und die Tradition verliert auch immer mehr an Bedeutung im Vergleich zu früher. Jedenfalls war es spannend anzusehen und in den Tagen danach konnte man am Handgelenk von Männern erkennen, ob sie eine Schwester oder Cousine haben.

Am zweiten Abend machten wir für die Familie Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Fanny backte zudem einen veganen Schokokuchen, der sehr gut ankam, weil er eifrei und lecker war. Da wir tagsüber Sightseeing machten, durften die Bediensteten der Familie (es gibt einen Fahrer, eine Reinigungskraft, eine Küchenhilfe und einen Gärtner sowie weitere Angestellte in der Firma unseres Gastgebers) die nötigen Zutaten einkaufen und schon mal die 3 kg Kartoffeln schälen und reiben, ebenso wie die Apfel schälen und klein schneiden. Das war für uns purer Luxus, aber dadurch ging alles natürlich viel schneller. Da wir in einer fremden Küche kochten, brannte sogleich das Apfelmus an – das ist geradezu erwartbar, wenn man die Küche nicht kennt. Aber wir konnten den nicht angebrannten Teil noch retten und nachdem Andy etliche Kartoffelpuffer gebraten hatte, saßen elf Menschen um den Tisch und aßen deutsches Essen in Indien. Die Inder fanden die Kombi Kartoffeln mit zimtigem Apfelmus ganz interessant, einige aus der Familie bevorzugten nach dem Probieren aber, die Kartoffelpuffer mit einer indischen Tomatensoße weiterzuessen – das passte ihrer Ansicht nach wohl besser.
Ansonsten wurden wir in der Familie herrlich lecker, vegetarisch bekocht und immer überredet noch mehr zu essen bzw. wurde einfach noch etwas auf unsere Teller gelegt. Außerdem erkundeten wir Jabalpur und Umgebung. Vipin, unser Gastgeber, ließ seinen Fahrer uns zuerst zu einem Naturreservat fahren, wo wir spazieren gingen und Affen und Liebespärchen, die sich im Wald versteckt hatten, beobachteten. Später ging es zu Vipin ins Büro, wo er uns viel über Indien erzählte, und anschließend nach Hause zu Mittagessen. Danach fuhr uns der Fahrer zu einem Tempel und von dort aus liefen wir ein bisschen herum, besuchten noch eine kleine alte Festung und wurden überall und ständig zu Fotos und Selfies aufgefordert. Auffallend war hier, dass viele Menschen nicht so gut oder gar kein Englisch sprachen. Das liegt u.a. daran, dass der Ort von internationalen Touristen nicht erschlossen ist. Manchmal wurden wir also aufgrund fehlender Englischkenntnisse nicht mal gefragt, sondern die Leute stellten sich einfach vor uns und hielten die Selfie-Kamera so, dass wir mit drauf waren. Wenn wir dann mitmachten, freuten sie sich umso mehr. Am nächsten Tag kam dann die große Überraschung: Wir waren in der Zeitung!!! Ein Journalist hatte uns ganz Paparazzi-ähnlich im Naturreservat geknipst, ohne zu fragen oder etwas anzukündigen. Fanny sagte noch zu Andy: „Schon wieder so einer, der n Foto von uns macht und dann sicher zu Hause angibt, dass er heute Weiße gesehen hat.“ Dass dieses Foto in der örtlichen Zeitung landen sollte, hätten wir nicht im Traum gedacht.
Außerdem stand ein Besuch bei der lokalen Sehenswürdigkeit an: Ein Fluss mit Marmorfelsen und einem Wasserfall, der nun zur Regenzeit allerdings kaum sichtbar war, da das Wasser so hoch steht. Ein Vorteil der Regenzeit allerdings: Alles ist so wunderbar saftig grün. An unserem letzten Tag trafen wir einen weiteren Couchsurfer, der aus Jabalpur kommt, schon viel im Ausland gelebt hat, aber noch nie in seiner Heimatstadt Couchsurfer getroffen hat, weil dort eben kaum welche hinkommen. Ihr wundert euch jetzt, warum wir überhaupt nach Jabalpur fuhren? Wir wollten auf dem Weg von Varanasi nach Mumbai einen Stopp einlegen und etwas von Zentralindien sehen und im Nachhinein müssen wir sagen, es hat sich wirklich gelohnt.
Bei einem Restaurant-Besuch mit dem besagten Couchsurfer, mussten wir feststellen, dass in den Polstern der Sitze vermutlich Bettwanzen hausten. Wir beide trugen in Indien eh meist lange Hosen (oft in die Socken gesteckt um Mückenstiche zu vermeiden), unser Couchsurfer allerdings hatte von Bissen übersäte Beine und schlug, sobald er das entdeckte, Alarm. Wenn ihr Bettwanzen kennt, wisst ihr, wie schwierig es ist, diese loszuwerden, sobald sie sich erstmal irgendwo eingenistet haben. Wir kauften also Läuseshampoo, wuschen uns damit die Haare, schüttelten die Klamotten aus und verpackten sie luftdicht, damit die Viecher nicht unsere Rucksäcke bewohnen würden. Wir hatten Glück und wurden sie tatsächlich los.
Leider ereilte uns in Jabalpur auch die traurige Nachricht, dass Andys krebskranker Freund, den wir im Juni noch in Hamburg besucht hatten, nun gestorben war. Wir waren sehr bestürzt.
Dann ging es mit dem Nachtzug nach Mumbai, wo wir zwei Nächte von einem netten Couchsurfer eine Wohnung gestellt bekamen. Abends gingen wir mit ihm und seiner Familie essen. Am nächsten Tag jedoch hatte Fanny einen verdorbenen Magen und musste im Bett bleiben. Als es ihr wieder gut ging, erkundeten wir Mumbai mit einer weiteren Couchsurferin und ihrer Freundin. Die beiden sind (für indische Verhältnisse) sehr emanzipiert und waren sogar schon alleine zu zweit verreist, hatten ihren Eltern aber etwas Anderes erzählt, sonst wäre das niemals möglich gewesen. Wir fuhren in der Mumbaier S-Bahn, die für sehr viel Gedränge und offene Türen berüchtigt ist, zu einer Strandpromenade. Hier steht auch das Haus des bekannten Bollywood-Schauspielers Shah Rukh Khan. Entsprechend viele Selfie-machende Inder_innen standen davor.
Das India Gate in Mumbai (Bombay).
Andy mit der Couchsurferin Gauri (Mitte) und einer Freundin
Dann ging es mit dem Zug nach Goa, diesmal tagsüber und da wir unser Abteil mit einem älteren indischen Pärchen teilten unterhielten wir uns sehr nett mit den beiden. Zuerst waren wir in der Hauptstadt Goas, in Panaji, wo wir am Strand spazieren gingen und die Couchsurferin aus Mumbai noch einmal trafen. 
Der Strand in Panaji im Abendlicht
Dann fuhren wir mit dem Bus in das Touristen-Örtchen Palolem, direkt am Strand. Hier entspannten wir fünf Tage. Von unserem Balkon hatten wir einen herrlichen Blick in den Garten, also im Prinzip auf einen Wald aus Palmen, und der Strand war drei Fußminuten entfernt, sodass wir die Zeit nutzten um dort Baden und Joggen zu gehen. Außerdem machten wir eine kleine Bootstour auf den Palolem Backwaters (das sind aus dem Meer gespiesene Gewässer, also kein Fluss und mal mit höherem, mal niedrigerem Wasserpegel, abhängig von den Gezeiten) und beobachteten Adler, denen der Bootsfahrer etwas zum Fraß hinwarf. Und dann waren wir noch da, wo der Pfeffer wächst – auf einer biologischen Gewürzfarm. Dort bekamen wir eine spannende Führung, bei der wir immer wieder raten durften, um welche Gewürze es sich handelt, und das traditionelle, seit drei Generationen bewohnte Haus des Farmbesitzers bewundern durften. Anschließend gab es ein Mittagsbuffet mit Lebensmitteln aus dem Garten der Farm – sehr lecker.
Bootstour in Palolem
Der drei Minuten entfernte Strand (in Palolem)
Kleines Quiz: 1. Um welches Gewürz handelt es sich hier? (Ein Tipp: Es ist das zweitteuerste Gewürz der Welt.)
2. Was könnte das hier sein? (Schreibt eure Antwort in die Kommentare!)
Mittagstisch auf der Gewürzfarm
Außerdem begann in Goa, was für uns später noch ein zu lösendes Problem wurde, wir konnten mit unserer Visa-Karte zwar in Restaurant bezahlen, aber als wir in einen anderen Ort fuhren, um dort Bargeld abzuheben, bekamen wir an keinem der sechs Automaten Geld. Als wir völlig frustriert zurückkehrten, sagte man uns im Hotel, es gäbe auch die Möglichkeit, an einem sogenannten Cash-Point Bargeld zu bekommen: Man zahlt per Karte einen Betrag (inklusive Gebühr) und bekommt dann dort Bargeld ausgehändigt. Das funktionierte zum Glück, sodass wir erstmal wieder ein bisschen Bargeld hatten.
Dann ging es in einer 20-stündigen Zugfahrt nach Trivandrum (oder auch Thiruvananthapuram genannt – in Indien gibt es oft zwei Namen, was zu großer Verwirrung führen kann), der Hauptstadt Keralas. Davon berichten wir euch im nächsten Eintrag.

Bis bald, liebste Grüße von den heimgekehrten Weltreisenden
Fanny und Andy

1 Kommentar:

  1. Das Gewürz sieht mir aus wie Vanilleschoten. Zweitere Frage kann ich leider nicht beantworten, aber sicher jemand anders ;)
    Meta

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